06.02.2020 20:39

Wie rein ist Bienenwachs

Einwandfreies Bienenwachs ist eine Voraussetzung für gesunde Völker und die Ernte von Qualitätshonig. Analysen des Tiergesundheitsdienst Bayern e.V. auf Verfälschungen und Rückstände zeigen, dass hinsichtlich der Wachsqualität in vielen Imkereien durchaus noch Verbesserungspotenzial besteht

von Dr. Andreas Schierling

Sauber ausgeschmolzene Wachsblöcke – Rückstände und Verfälschungen können nur mittels Analyse erkannt werden.

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Immer dann, wenn Bienenwachs mit fettlöslichen Wirkstoffen in Kontakt kommt, besteht die Gefahr, dass sich ein Teil der Wirkstoffe ins Wachs einlagert und dort Rückstände bildet. Besonders hohe Konzentrationen entstehen bei der direkten Behandlung von Waben oder Völkern. Dies zeigen die Rückstandsanalysen des Bienengesundheitsdienstes (BGD) sehr deutlich. Der Anteil belasteter Wachsproben aus Bayern ist zwar rückläufig, aber nach wie vor sind etwa 30 Prozent der Proben belastet (Abb. 1). Bei einem Grossteil handelt es sich um Varroazide wie Brompropylat, Coumaphos, tau-Fluvalinat oder Thymol. Daneben lassen sich Biozide wie Diethyltoluamid (DEET) und Paradichlorbenzol (PDCB) nachweisen (Abb. 2, weitere Infos zu den Wirkstoffen und entsprechenden Präparaten siehe Tab. Weiter unten).

Dagegen kommen Pflanzenschutzmittel im Bienenwachs in der Regel nur in geringeren Konzentrationen vor. In den insgesamt über 1500 bislang analysierten Proben konnten seit 2015 nur in drei Proben relevante Mengen nachgewiesen werden (2017: je 1× Boscalid, alpha-Cypermethrin und Acrinathrin).

Varroazid-Rückstände

Von den nachgewiesenen Varroaziden bzw. deren Abbauprodukten waren im Analyse-Zeitraum lediglich Coumaphos, Thymol und Amitraz in Deutschland zur Varroa-Bekämpfung zugelassen. Es stellt sich daher die Frage, wie es dennoch zu der weiten Verbreitung etwa von Brompropylat oder tau-Fluvalinat in den bayerischen Wachsen kommen konnte. Ein massenhafter illegaler Einsatz von Tierarzneimitteln ist unwahrscheinlich. Es gibt vielmehr zwei einfache Erklärungen:

  • Der Wachsmarkt ist zunehmend international, und in anderen Ländern wurden bzw. werden durchaus Wirkstoffe eingesetzt, die bei uns nicht zugelassen sind.
  • Mit Ausnahme des halbflüchtigen Wirkstoffs Thymol lassen sich Varroazide, die einmal in das Wachs gelangt sind, kaum mehr entfernen.

Beim tau-Fluvalinat, das bei uns nie als Varroazid zugelassen war, dürfte es sich um Rückstände aus Wachsimporten handeln. Das seit Jahrzehnten nicht mehr zugelassene Brompropylat (Folbex VA Neu ®) ist eine Altlast aus den Anfängen der Varroa-Bekämpfung in Deutschland. Die Coumaphos-Rückstände haben wir durch jahrelange Anwendung des nach wie vor zugelassenen Perizin ® ebenfalls grösstenteils selbst verursacht. Natürlich ist dieser Wirkstoff aber auch in Wachsen aus dem Ausland weit verbreitet.

Insgesamt lässt sich sagen, dass ein grosser Teil des weltweit verfügbaren Bienenwachses rückstandsbelastet ist. Dies hat zur Folge, dass auch viele bei uns im Handel erhältliche Mittelwände entsprechende Kontaminationen aufweisen. Wer preiswerte Mittelwände ohne jegliche Analyse-Zertifikate o.ä. erwirbt, muss damit rechnen, gegebenenfalls die entsprechenden Rückstände mit einzukaufen.

Abbildung 1: Anteil der rückstandsbelasteten Wachse aus den Jahren 2015–2018. Wachse mit einem Thymol-Gehalt unter 10 mg/kg wurden als nicht belastet eingestuft.

Abbildung 2: Anteil der Wachse mit Nachweis der verschiedenen Wirkstoffe. Thymol: Einstufung als belastet nur bei Wirkstoffgehalten über 10 mg/kg. DMF/DMA: Abbauprodukte von Amitraz; Analyse nur in 2017/2018. PDCB: Paradichlorbenzol – Wirkstoff von Imker-Globol ® , Mottenabwehr. Nicht abgebildet: DEET – Wirkstoff von Fabi-Spray ® (Bienenrepellent) drei Analysen (2017: 2 Nachweise; 2018: 1 Analyse, kein Nachweis).

Grenzwerte für Honig

Aus Untersuchungen der Arbeitsgruppe um Dr. Klaus Wallner an der Landesanstalt für Bienenkunde Hohenheim wissen wir, dass viele Wirkstoffe ab einer Konzentration von 0,5-1,0 mg/kg im Wachs in den Honig übergehen und dort nachweisbar werden können. Der Anteil an Wachsproben, bei denen solche messbaren Wachs-Honig-Übergänge möglich wären, lag bei uns im Untersuchungszeitraum zwischen 5 und 10 %.

Für Rückstände von Pflanzenschutzmitteln, Bienenarzneimitteln und Bioziden in Honig existieren gesetzlich festgelegte Rückstandshöchstgehalte (RHG). Diese liegen für die Wirkstoffe DEET, PDCB und Brompropylat mit jeweils 0,01 mg/kg besonders niedrig. Unglücklicherweise zeigen gerade DEET und PDCB eine sehr ausgeprägte Neigung, aus dem Wachs auszuwandern, sodass eine Überschreitung im Honig bei entsprechender Wachskontamination schnell erreicht ist. Die Folge: Der Honig ist nicht mehr verkehrsfähig. Die Honig-Grenzwerte für die weiteren im Wachs nachweisbaren Wirkstoffe liegen deutlich höher, sodass eine Überschreitung der Rückstandshöchstgehalte durch das Auswandern aus dem Wachs unwahrscheinlich ist. Dennoch gilt: Messbare Wirkstoffkonzentrationen in Honig vermeiden! Auch Gehalte unterhalb der gesetzlich festgelegten Grenzen tauchen in Prüfberichten und Veröffentlichungen, wie Verbrauchermagazinen auf. Bereits deren Nachweis erzeugt Ablehnung beim Verbraucher, denn dieser kann die gemessenen Werte nicht einordnen. Dies gefährdet das gute Image des deutschen Honigs und damit letztendlich auch den Honig-Preis.

Ab einem bestimmten Gehalt von Paraffin in den Mittwänden wird der Wabenbau instabil und sackt zusammen.Foto: A. Schierling

Wachsverfälschungen

Während Rückstände im Wachs also einen direkten Einfluss auf die Honigqualität haben können, wird beim Einsatz verfälschter Mittelwände i. d. R. «nur» die Wabenstabilität und die Bienengesundheit gefährdet. Bienenwachs ist ein sehr komplexes Gemisch aus mehreren hundert Einzelkomponenten, dessen Zusammensetzung so optimiert ist, dass eine maximale Wabenstabilität bei gleichzeitiger optimaler Plastizität und Verarbeitbarkeit des Wachses durch die Bienen gewährleistet ist. Durch Zugabe weiterer Komponenten, wie fremde Kohlenwasserstoffe (Paraffine etc.), wird dieses sensible Gefüge gestört. Die Folge kann ein Stabilitätsverlust und deshalb ein Abrutschen von Waben nach deren Füllung mit Honig sein. Im Extremfall können ganze Honigräume kollabieren und das Bienenvolk unter sich begraben.

Wer preisgünstige Mittelwände erwirbt, muss damit rechnen, damit gegebenenfalls Rückstände oder Verfälschungen mit einzukaufen!

Waben aus mit Stearin verfälschten Mittelwänden sind trotz der Fremdwachsanteile zwar relativ stabil. Neueste Untersuchungen von Anke Kohnle zeigen jedoch, dass Stearin eine toxische Wirkung auf junge Bienenlarven aufweist. Betroffene Völker entwickeln sich aufgrund des lückenhaften Brutnestes schlecht und nehmen immer mehr an Bienenmasse ab.

Nach Bekanntwerden des Wachsskandals 2016 wurde die Wachsanalytik beim BGD im Folgejahr um die Prüfung von Bienenwachs hinsichtlich Verfälschungen erweitert. 2017 waren 29,0 Prozent und 2018 waren 24,1 Prozent der analysierten Wachsproben mit Fremdwachsen verunreinigt.

Jede zweite 2017 bzw. jede fünfte 2018 als verfälscht eingestufte Probe enthielt darüber hinaus einen so hohen Fremdwachsanteil, dass negative Auswirkungen auf Wabenstabilität oder Larvengesundheit nicht ausgeschlossen werden konnten.

Dabei muss berücksichtigt werden, dass es sich bei den eingesendeten Proben grösstenteils um Verdachtsproben handelte. Imkerinnen und Imker sendeten vorwiegend dann Proben ein, wenn Schäden an Waben oder Bienenvolk erkennbar waren oder das Wachs von Lieferanten stammte, die durch die Fachpresse namentlich im Zusammenhang mit dem Wachsskandal genannt worden waren.

Um einen repräsentativeren Eindruck über den mit Fremdwachsen kontaminierten Anteil bayerischer Wachse zu erhalten, wurden 2018 weitere Analysen in über 130 Wachsproben ohne Anfangsverdacht einer Authentizitätsanalyse unterzogen. Hier waren nur 12,4 Prozent der Wachsproben verfälscht. In keiner dieser Proben lag der Anteil an Fremdwachsen so hoch, dass er sich nach aktuellem Kenntnisstand negativ auf Wabenstabilität oder Bienengesundheit auswirken dürfte. Dennoch muss festgehalten werden, dass geringe Anteile von Fremdwachsen offenbar in den bayerischen Wachskreisläufen relativ weit verbreitet sind. Verfälschungen von Bienenwachs mit billigen Fremdwachsen sind kein neues Problem, sondern haben auch bereits vor den letzten grossen Funden von Verfälschungen stattgefunden. Um sich vor dem Zukauf verfälschter Mittelwände zu schützen, wird auch hinsichtlich potenzieller Wachsverfälschungen empfohlen, beim Zukauf von Mittelwänden auf die Vorlage entsprechender Analyse-Zertifikate zu bestehen.

Wirkstoffrückstände und Fremdwachse in Bienenwachs sind grundsätzlich unerwünscht und können bei Überschreiten einer kritischen Konzentration durchaus Probleme verursachen. In wieweit jedoch geringfügige Mengen tolerierbar sind, liegt – bitte unter Berücksichtigung der oben genannten Einschränkung – letztendlich in der persönlichen Einstellung der betroffenen Imkerin bzw. des betroffenen Imkers. Es ist anzunehmen, dass die in Bayern gefundenen Werte auch auf andere Bundesländer zutreffen.

Quelle: Bienen&Natur [2/2020]

Tags: wachs