27.02.2021 15:40

Standortsuche für deine Bienenvölker

Bienen können fast überall gehalten werden, am Waldrand, auf dem Land, in deinem eigenen Garten oder sogar auf deinem Dach in der Stadt. Bienen sind sehr anpassungsfähig, aber das bedeutet nicht, dass wir sie sorglos irgendwo platzieren sollten. Je besser der Ort, desto besser das Wohlbefinden und die Honigproduktion des Volkes. Was also musst du bei der Standortwahl beachten?

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Wie weit fliegen Honigbienen für Nahrung?

Auf diese Frage gibt es keine eindeutige Antwort. Wenn die Bienen keine Nahrung in der Nähe finden, können sie bis zu 10 km weit auf der Suche nach Pollen und Nektar fliegen [1]. Die Nahrungssuche bis in die Ferne kostet jedoch viel Energie und die Bienen ziehen es natürlich vor, so nah am Bienenstock wie möglich zu suchen. In der Praxis wird der grösste Teil der Nahrungssuche in einem Radius von 2 km um den Bienenstock herum durchgeführt [2,3]. Diese Zahl ist jedoch von vielen Faktoren abhängig, da sich während der Saison die Lage der Nahrungsquellen ändert. Um ein Gefühl dafür zu bekommen, wo deine Bienen fündig werden können, nimm einfach eine Karte und zeichne einen Kreis von 2 km um deinen gewünschten Standort. «Beepods» (ein US-amerikanischer Imkereibetrieb) hat dafür ein nützliches Online-Tool entwickelt. Wie du im Bild unten sehen kannst, kannst du einfach deinen Standort auswählen und es werden mehrere Kreise (jeweils 1 km oder Meile) erzeugt. Du kannst es als Satellitenbild nutzen und hast jetzt eine klare Vorstellung davon, welche Art von Gebieten (Bauernhöfe, Gemeinschaftsgärten, Wasserteiche, städtische Gebiete usw.) sich in der Nähe deiner Bienen befinden. Achte darauf, dass die Bienen die meiste Zeit in einem Umkreis von 2 km um den Bienenstock verbringen, daher sind die ersten beiden Kreise die wichtigsten.

Je länger der Flug dauert, desto mehr Energie verbrauchen die Bienen und irgendwann kostet die Reise mehr Energie, als die Biene tatsächlich sammelt. Die Effektivität einer Reise ist nicht in Stein gemeisselt, da sie von der Entfernung zur Nahrungsquelle, der Konkurrenz mit nahe gelegenen Kolonien und dem Wetter abhängt. Als Anhaltspunkt gelten Honigbienen, die weiter als 1 km fliegen, grundsätzlich als ineffizient [5].

Wasserquellen

Neben Nektar und Pollen benötigen Bienen auch eine Wasserquelle. Neben dem Trinken verwenden die Bienen Wasser auch zur Kühlung des Bienenstocks. An heissen Tagen kann ein Bienenvolk mehr als 3 Liter Wasser verbrauchen. Deshalb sollte eine Wasserquelle in der Nähe sein (maximal 500 Meter vom Standort entfernt). Bienen bevorzugen langsam fliessende Bäche oder Teiche, die sie über einen sanften Hang oder einige Steine erreichen können. Ein schnell fliessender Fluss selbst wird nicht funktionieren, da die Bienen einen Platz zum Landen brauchen. Häufig befindet sich jedoch am Ufer des Flusses etwas verschüttetes Wasser, das für Bienen und andere Insekten sicher zugänglich ist.

Honigbienenvölker konkurrieren miteinander und die verfügbaren Nahrungsquellen sollten die Menge der Bienen ausgleichen. Je näher einzelne Bienenstöcke und Standorte beieinander liegen, desto schneller können sich Krankheiten wie Varroa oder Faulbrut ausbreiten.

Um dir eine Vorstellung zu geben, wird ein Abstand von mindestens 500 Metern zu anderen Bienenständen empfohlen. Die ideale Bienendichte wird als 1 Bienenvolk pro Quadratkilometer angesehen (wiederum kann dies unter Umwelteinflüssen variieren).

In der Schweiz muss jeder Bienenstand dem Veterinäramt und dem sogenannten Bieneninspektor gemeldet werden. Das bedeutet, dass die Standorte aller Bienenstöcke gesammelt und in einer sogenannten GIS-Karte dargestellt werden können. Diese Karten sind in der Regel nach Kantonen organisiert. Die folgende Abbildung zeigt ein Beispiel aus dem Kanton Zürich. Auch die Kontaktaufnahme mit Ihrem örtlichen Imkerverein für eine Beratung über die Entfernung zu anderen Bienenstöcken ist nie eine schlechte Idee.

Die GIS-Karte der Bienenstöcke im Kanton Zürich. Es handelt sich bei den roten Kreisen um Gebiete, die von «Europäischer Faulbrut» oder «Amerikanischer Faulbrut» betroffen sind. Neben dem Anblick anderer Bienenstöcke ist diese Karte auch ein nützliches Hilfsmittel bei der Erkennung der Verbreitung von Krankheiten.


Eigentumsverhältnisse

Sobald du einen Ort gefunden hast, an dem es genügend Nahrungsquellen gibt und der eine ausreichende Entfernung zu anderen Bienenstöcken hat, kannst du dich ernsthaft mit dem Platzieren deiner Bienenbeuten befassen. Jetzt kommt die Frage des Eigentums ins Spiel. Wenn du Glück hast, kannst du die Bienenstöcke auf deinem eigenen Grundstück platzieren (sei dir aber bewusst, dass die örtlichen Behörden auch Vorschriften für die Errichtung von Bienenstöcken auf deinem eigenen Grundstück haben können, mehr dazu im Abschnitt Vorschriften). Oftmals ist der Standort, den du vorsiehst, jedoch das Eigentum eines anderen. In diesem Fall musst du die Erlaubnis des Grundbesitzers einholen. Um die Chancen auf eine positive Reaktion zu erhöhen, ist es wichtig, die Vorteile zu erwähnen, die die Menschen von den Bienen erhalten. Der zusätzliche Wert der Bestäubung kann für Landwirte oder Gemeinschaftsgärten sehr wertvoll sein. Unternehmen engagieren sich ab und zu für Bienenvölker, um Ihre Markenbekanntheit zu steigern. Und nicht zuletzt ist es immer eine gute Idee, den Verantwortlichen etwas Honig zu geben, um einen Gefallen zu bekommen!

Vorschriften in der Schweiz

In der Schweiz kann jeder Kanton etwas andere Vorschriften für Bienenstöcke haben. Informiere dich daher immer bei deinen örtlichen Behörden.

Ein neuer Bienenstand ist innerhalb von 10 Tagen dem Veterinäramt und dem sogenannten Bieneninspektor deiner Region zu melden. In der Regel ist eine Baubewilligung für Beuten erforderlich, zudem ist es vorteilhaft, alle betroffenen Parteien (Nachbarn, Eigentümer, Gemeinde) zu informieren. Ausserdem sollte der Bienenstock mindestens 10 Meter von einer Strasse oder der Grenze des Grundbesitzes entfernt sein. Dies um zu vermeiden, dass sich Passanten in die direkte Flugbahn deiner Bienen begeben.

Für ein Bienenhaus benötigst du ebenfalls eine Beubewilligung, die du bei deiner örtlichen Gemeinde beantragen kannst. Einige Kantone wie Zürich, St. Gallen und Graubünden können einen Nachweis verlangen, dass der Antragsteller eine Ausbildung zum Imker absolviert hat [6].

Zusätzliche Überlegungen für städtische und ländliche Gebiete

Städtische Gebiete

Urbane Gebiete können eine grossartige Umgebung für Bienen sein. Städte können reichlich und auch vielfältigere Nahrungsquellen anbieten. In Gärten und Parks finden sich verschiedene Arten von Blumen, Sträuchern und blühenden Bäumen, was den Bienen eine gut durchmischte Nahrungsversorgung sichert. Die Suche nach einem guten Standort kann jedoch schwierig sein, da man den Einfluss der Nachbarn auf das Aufstellen der Bienen berücksichtigen muss.

Bienen werden manchmal als lästige Insekten angesehen, die Picknicks stören, daher ist es wichtig zu erklären, dass Bienen nicht so aggressiv sind (stelle sicher, dass deine Nachbarn den Unterschied zwischen Bienen und Wespen verstehen) und dass Bienen sich von Blüten anstelle und nicht vom Picknick ernähren. Wenn jedoch jemand allergisch ist, solltest du einen anderen Ort in Betracht ziehen, da allergische Reaktionen sehr schwerwiegend sein können und die Nähe zu einem Bienenstock für Menschen mit einer Insektenallergie eine sehr unangenehme und belastende Erfahrung ist.

Und schliesslich, bevor du anfängst, von Bienen auf deinem Dach zu träumen, erkundige dich bei deinen örtlichen Behörden, ob es irgendwelche Vorschriften für die Haltung von Bienen in deiner Stadt gibt. Es ist möglich, dass in deiner Gemeinde zusätzliche Vorschriften bestehen, z.B. über die Anzahl der Bienenstöcke oder die Entfernung zu Spielplätzen.

Ländliche Gebiete

Falls sich deine Bienenstöcke in ländlichen Gebieten befinden, solltest du überprüfen, welche Pflanzen auf den nahegelegenen Feldern angebaut werden. Sind das Pflanzen, die von Bienen bestäubt werden können und wann haben sie ihre Blütezeit? Es ist möglich, dass viele Kulturen gleichzeitig blühen, was zu einem Nektarmangel, einer sogenannten «Trachtlücke», führen kann beim Abblühen der Kulturen. Wenn dies der Fall ist und es nicht viele andere Nahrungsquellen in der Nähe gibt, solltest du deine Völker während dieser Zeit überprüfen. Lass deinen Bienen bei der Honigernte genügend Futterreserven oder futtere sie zusätzlich.

Ein weiteres Thema ist der Einsatz von Pestiziden. Versuche, die Bauern in der Region kennenzulernen und sie zu fragen, welche und wann sie Pestizide verwenden. Diskutiere das Problem der Pestizide für die Bienen und versuche, nach Lösungen zu suchen, die für beide Seiten funktionieren. So sorgt beispielsweise das Sprühen von Pestiziden bei Dunkelheit dafür, dass keine Bienen herumfliegen.


Literatur

[1] Hagler, J. R., Mueller, S., Teuber, L. R., Machtley, S. A., & Van Deynze, A. (2011). Foraging range of honey bees, Apis mellifera, in alfalfa seed production fields. Journal of Insect Science, 11(1), 144.

[2] Osborne, J. L., Williams, I. H., Marshall, A. H., & Michaelson-Yeates, T. P. T. (2000, July). Pollination and gene flow in white clover, growing in a patchy habitat. In VIII International Symposium on Pollination-Pollination: Integrator of Crops and Native Plant Systems 561 (pp. 35-40).

[3] Pedersen, M. W., Bohart, G. E., Marble, V. L., Klostermeyer, E. C., & Hanson, C. H. (1972). Alfalfa: Science and Technology. Madison, Wis: American Society of Agronomy.

[4] Beepods, Honey Bee Forage Map. Retrieved from: https://www.beepods.com/honey-bee-forage-map/

[5] Gekeler, W. (2002): Bienenstände: beliebt und aktuell – Teil 4: Die Wahl des Standortes. Imkerfreund 01-2002, 10-12.



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