21.11.2021 20:12

Propolis in der Naturheilkunde und Apitherapie

Propolis ist vielseitig einsetzbar. In der kalten Jahreszeit hilft sie uns, das Immunsystem nicht nur zu stützen und zu stärken, sondern sie kann uns auch dabei unterstützen, verschiedenste Infekte loszuwerden.

Propolis ist ein komplexes Gemisch aus den verschiedensten eigenen Schutzharzen der Pflanzen und Knospen. Dieses Konglomerat ist repräsentativ für das Immunsystem dieser Pflanzen. Es kann so nach der botanischen wie geographischen Herkunft bestimmt werden. Bienenprodukte und speziell Propolis sind hier ein Spiegel der Natur und ihrer Herausforderungen. Bienen fügen diesem Pflanzenmischharz noch ihr Bienenwachs hinzu, und auch eigene Sekrete sowie Pollen. So besteht Propolis in etwa zu 50 % aus harzartigen Bestandteilen (Flavonoiden, Aromasäuren), zu etwa 30 % aus Wachs (wie Fettsäuren und Alkoholen), zu 10 % aus essenziellen und aromatischen Ölen, zu 5 % aus anderen Substanzen (Mineralstoffen, Ketonen, Lactonen, Vitaminen).

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Mehrere hundert Verbindungen wurden in den verschiedenen Propolis-Typen – es gibt drei Sorten: braune, grüne und die rote Propolis – bereits ausgeforscht und charakterisiert, und die Reise ist hier auch noch nicht zu Ende. Die antimikrobielle Aktivität von Propolis ist die mit Abstand wichtigste biologische Eigenschaft. Diese verdient auch angesichts der hohen Zahl an durchgeführten Studien weiterhin höchstes wissenschaftliches Interesse. Mehrere hundert Abhandlungen beschäftigten sich bereits mit diesem Aspekt. Trotz der grossen Unterschiede der verschiedenen Propolis-Varianten ist allen die antimikrobielle Aktivität gemein. Es scheint also so, dass eher die Summe der antimikrobiellen Propolis-Komponenten für diese antibakterielle, fungizide, antivirale und antiparasitische Wirkung zuständig ist, als einzelne isolierte Verbindungen. Hier passt der naturheilkundliche Ansatz: Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Einzelteile. Gut für uns in der Naturheilkunde und Apitherapie, eher suboptimal für die standardisierte Medizin.​

Propolis ist komplex und enthält über 300 verschiedene Stoffverbindungen. Hier kann nur ein Auszug daraus dargestellt werden.

Anwendung in Naturheilkunde und Apitherapie

Für die alten Heilkundler waren oft die Naturbetrachtungen in Bezug auf die Umgebung für die Verwendung und den Einsatz sinngebend. Wenn wir von dieser Seite her Propolis betrachten, dann gibt sie uns hier schon gute Ansätze für ihren Einsatz. So stützt sie das gesunde Stockmilieu, ist der Hygienegarant der Bienen und erhält weitestgehend die natürliche Bienengesundheit des Stockes. Daraus lassen sich weitere biologische Eigenschaften für Propolis ableiten: anästhetische (schmerzbetäubend), antiinfektiöse (wirksam gegen Infektionen durch Mikroorganismen), analgetische (schmerzlindernd), adaptogene (die Widerstandskraft in Stresssituationen unterstützend), antimikrobielle (Wachstum von Mikroorganismen hemmend), antiproliferative (Zell- und Gewebewachstum hemmend), antioxidative (vor freien Radikalen schützend), antitoxische (bereits im Körper vorhandene Gifte unschädlich machend), antiinflammatorische (entzündungshemmend), antikarzinogene (krebshemmend), hepatoprotektive (die Leber schützend), immunmodulatorische (das Immunsystem beeinflussend), membranstabilisierende (Zellmembran stärkend), Zellstoffwechsel protektive (Zellstoffwechsel schützend).

Wie auch schon bei an anderer Stelle vorgestellten Bienenprodukten möchte ich auch hier darauf hinweisen, dass kein Heilversprechen gemacht werden kann. Wir in der Naturheilkunde arbeiten mit dem bestehenden Potenzial, das eine Person mit sich bringt und was es zu erhalten gilt. Im günstigsten Fall sich sogar verbessern lässt. Allerdings kann man durchaus erwähnen, dass die Apitherapie (Therapie mit Bienenprodukten) klassische Therapieformen unterstützen und auch ergänzen kann, und so zielführend ist.

Kernkompetenzen von Propolis

Propolis zeichnet sich durch folgende Kernkompetenzen aus:

  • Antimikrobiell: Propolis macht diverse Bakterien dingfest – beispielsweise solche, die unser Zahnfleisch schädigen.
  • Antimykotisch: Propolis wirkt gegen Pilze und Hefen.
  • Antiviral: Propolis kann begleitend bei Grippe-, Herpes- und anderen Viren helfen.
  • Immunstimulierend: Propolis aktiviert die Riesenfresszellen und damit unser Immunsystem.
  • Entzündungshemmend: Die Produktion von Entzündungsauslösern kann Propolis vermindern.
  • Antioxidativ: Propolis bietet Schutz vor freien Radikalen, also vor aggressiven Sauerstoffverbindungen, die die Zellstrukturen schädigen können.

Darreichungsformen

Propolis gibt es in verschiedensten Darreichungsformen. Ob grob gereinigt zum Kauen, in Kapselform, als Trinkampulle, aber auch als flüssigen Auszug in Alkohol, Wasser, Glycerin, als Mazerat auf Öl-Basis oder als Creme-Bestandteil. Eine Sonderform bietet die Propolis-Injektion, die ausschliesslich in Therapeutenhand gehört. Auch Zäpfchen und Augentropfen sind Spezialanwendungen. Oft stellt sich die Frage, ob Propolis nun in flüssiger oder doch in fester Form zu sich genommen werden sollte und was «besser» ist. Aus therapeutischer Sicht ist hier als erstes die Frage zu stellen, ist es ein kurzfristiger Therapieansatz oder doch eher langfristig, also über Monate hinweg. Je länger die Verabreichung, desto mehr sollte man zur festen Form tendieren. Der nächste Aspekt, welchen es zu berücksichtigen gilt, ist: wo der Einsatzort liegt. Allgemein kann man sagen, dass das Zwerchfell die Grenze zwischen einer flüssigen oder festen Applikation darstellt. Sprich vom Mund über die oberen Atemwegsorgane weiter zur Speiseröhre bis zu den Lungen ist eher den flüssigen Varianten vorbehalten. Alles was den Darm, die Leber oder generalisierte Bereiche des Körpers betrifft, da kommt die Kapselform vorzugsweise zum Einsatz. Äusserlich kann die Propolis in Salben oder Cremes ihre geeignete Anwendung finden. Die alkoholische Tinktur ist mit Bedacht einzusetzen, denn sie kann recht aggressiv sein und auch lokal die Hautfarbe verändern und Irritationen hervorrufen. Lieber etwas weniger konzentriert herangehen, aber dafür auch etwas länger dranbleiben.

Grundsätzlich ist der Ansatz einer Kur anzustreben. Denn einmalige Behandlungen sind nicht so effektiv wie ein langfristiges Konzept. Wenn man auf Stoffwechselebene etwas umstimmen, respektive wieder ein «gesundes Milieu» etablieren möchte, ist dies meist nicht mit kurzfristigen Gaben und Ansätzen zu schaffen. Unser Körper ist eine ständig arbeitende und verarbeitende Fabrik, die gehegt, gepflegt, substituiert und korrigiert werden will, für ein ordentliches, ganzjähriges Funktionieren.

Es kommt immer wieder die Frage auf, ob sich denn eine Gewöhnung bei regelmässiger Anwendung einstellen kann. Dies ist nicht der Fall. Bienen sind massgeblich – und das seit vielen Millionen Jahren – an der Evolution beteiligt. Natur steht nicht still. Sie ist ein laufender Prozess, und das gilt auch für die Kostbarkeiten aus dem Bienenstock. Sie sind der Spiegel der aktuellen Herausforderungen.

Quelle: bienen & natur, Claudia Perle