02.11.2020 21:25

Oxalsäure-Behandlung: sicher, wirksam, rückstandsfrei

Richtig angewendet ist Oxalsäure sehr wirksam und für Bienen und Imker sicher. Doch welche Methoden, sie den Bienen zu verabreichen, gibt es, welche sind zugelassen? Ein Überblick

Als Varroa-Behandlung ist Oxalsäure schon lange bekannt: Mindestens seit Mitte der 1980er Jahre wurde sie in Osteuropa und Asien angewendet. Mitte der 1990er Jahre machten sich verschiedene Forscher in Deutschland, Italien und der Schweiz daran, diese Behandlung systematisch zu entwickeln.

Antrieb war vor allem, rückstandsfreie Alternativen zu finden, um die Qualität der Bienenprodukte – vor allem Honig – zu erhalten. Dafür eignet sich Oxalsäure gut: Sie kommt natürlicherweise in vielen Honigen und anderen Lebensmitteln vor. Untersuchungen am Liebefelder Bieneninstitut (Schweiz) haben gezeigt, dass sich der Gehalt an Oxalsäure im Frühjahrshonig nicht erhöht, wenn im Winter mit dieser Substanz behandelt wurde – solange die Behandlung richtig durchgeführt wurde. Doch was heisst richtig? Prinzipiell gibt es drei Möglichkeiten der Behandlung: Träufeln, Sprühen und Verdampfen. Bei jeder Methode müssen die Völker brutfrei sein, weil Oxalsäure nur auf die Milben auf den erwachsenen Bienen wirkt und nicht lange im Volk bleibt.

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Als erstes etabliert: das Träufeln

Die Träufelmethode wurde Mitte der 1990er Jahre in Italien am Bieneninstitut in Bologna von Dr. Antonio Nanetti entwickelt. Wenig später haben die Wissenschaftler der europäischen „Var-roa-Gruppe“ Versuche durchgeführt. Ziel war es, die Methode an die unterschiedlichen Bedingungen in verschiedenen Ländern anzupassen. Denn hier gab es vor allem Vorbehalte wegen der Konzentration, die in Italien eingesetzt wird: Sie ist etwa doppelt so hoch wie jene, die heute in Deutschland verwendet wird. Die Forscher in den nördlichen Ländern hatten die Befürchtung, dass der strengere Winter die Verträglichkeit der Oxalsäure in so hohen Konzentrationen beeinträchtigen würde. Dies ist der Grund, weshalb in Deutschland mit 3,5%iger Oxalsäure-Konzentration behandelt wird. Die Träufelmethode fand auch hierzulande schnell viele Anhänger und wurde als erste Methode für die Winterbehandlung mit Oxalsäure zugelassen.

Das Sprühen der Oxalsäurelösung ist in Deutschland erst seit dem Jahr 2017 zugelassen. Dabei muss jede einzelne Wabe gezogen und besprüht werden. Foto: Ute Schnei-der-Ritter

Seit kurzem verfügbar: Sprühen

Die Sprühmethode gibt es zwar schon länger, sie wurde aber erst 2017 zugelassen. Thomas Radetzki brachte diese Methode der Imkerschaft in Deutschland schon 1994 nahe. In der Lehr- und Versuchsimkerei Fischermühle wurden nach Berichten aus der Sowjetunion ausgiebige Versuche angestellt. Auch diese Methode erwies sich als wirksam und gut verträglich. Trotzdem gibt es Vorbehalte dagegen: Schliesslich muss jede einzelne Wabe gezogen und gleichmässig eingesprüht werden. Im Winter empfinden das viele als zu grosse Störung für das Bienenvolk. Ausserdem ist der Arbeitsaufwand recht hoch. In Deutschland, mit laut Statistik des Deutschen Imkerbunds im Durchschnitt 6,7 Völkern pro (Hobby-)Imker mag das noch angehen. Für Berufsimker mit mehreren hundert Völkern sieht das schon anders aus. Deswegen hat sich diese Methode in südlichen Ländern wie Italien oder Spanien nicht durchgesetzt. Dort hat die Imkerei einen deutlich höheren Stellenwert als in Deutschland, und der Anteil Berufsimker ist erheblich grösser. In der Schweiz wurde die Methode bereits 1995 zugelassen. Dementsprechend kam auch die Firma, die für diese Methode im Jahr 2017 zusammen mit ihrem neuen Produkt die Zulassung in Deutschland beantragt hat, aus der Schweiz: Es ist die Firma Biovet mit dem Produkt Oxuvar ® 5,7 %.

in Deutschland nicht zugelassen: Verdampfen

Die dritte Methode – das Verdampfen – ist dagegen in Deutschland nicht zugelassen. Obwohl in anderen Ländern keine Bedenken bestehen, haben hierzulande sowohl die Bieneninstitute als auch die Behörden Vorbehalte bezüglich der Arbeitssicherheit des Anwenders. Natürlich müssen bei jeder Varroa-Behandlung entsprechende Schutzmassnahmen eingehalten werden. Bei der Verdampfung sind dies eine Atemmaske, Schutzbrille und Handschuhe.

Das Verdampfen von Oxalsäure-Dihydrat – hier mit dem Varrox ® -Verdampfer der Schweizer Firma Andermatt BioVet – ist in Deutschland nicht zugelassen, in der Schweiz und in Österreich aber erlaubt. Foto: Jürgen Schwenkel

Die fehlende Zulassung hindert allerdings viele Imker nicht daran, für die Winterbehandlung Oxalsäure zu verdampfen. Und dann nicht oder nicht genug auf die eigene Sicherheit zu achten, was tatsächlich gesundheitliche Probleme hervorrufen kann. Hinzu kommt ein weiterer Punkt: Die fehlende Zulassung bedeutet auch, dass es keine klaren Empfehlungen von den Bieneninstituten für die Verdampfung gibt. Wirksam und verträglich für die Bienen ist auch diese Methode nur, wenn sie richtig angewendet wird. Beispielsweise sind einige Verdampfer auf dem Markt, die sich zu schnell erhitzen. Dadurch zerfällt die Oxalsäure zu schnell und kommt nicht da an, wo sie hin soll – bei den Bienen. Das gilt erst recht für die vielen selbstgebastelten Verdampfer. Das hat das Bieneninstitut in Liebefeld schon vor vielen Jahren gezeigt. Hilfreicher wäre es, eine legale Alternative und klare Empfehlungen zu haben. Solange dies aber nicht der Fall ist, verstossen deutsche Imker gegen das Tierarzneimittelgesetz, wenn sie Oxalsäure verdampfen, und machen sich damit strafbar.

Oxalsäure muss sauer sein

Oxalsäure ist die vielseitigste Substanz, die wir im Kampf gegen die Varroamilbe haben. Das zeigen schon die drei möglichen Anwendungsmethoden. Deswegen wird Oxalsäure nicht nur in vielen europäischen Ländern – vom Mittelmeer bis nach Skandinavien – sondern weltweit verwendet. Zudem ist sie nicht von der Temperatur abhängig wie beispielsweise Ameisensäure oder Thymol. Deswegen ist Oxalsäure zurzeit die einzige «natürliche» Substanz, die für die Winterbehandlung eingesetzt werden kann. Das liegt daran, dass sie über den Kontakt mit den Bienen wirkt. Sie muss sich nicht in der Stockluft anreichern, sondern wird von den Bienen verteilt. Versuche von Dr. Nanetti in Bologna haben gezeigt, dass die Oxalsäure eben durch ihr „sauer sein“ wirkt. Sauer ist eine Säure aber nur, wenn sie flüssig ist. Trocknet sie ab, ist selbst die stärkste Säure nicht mehr sauer. Wird gesprüht (oder verdampft), sind die Oxalsäure-Teilchen so klein, dass sie sich in der Feuchtigkeit der Stockluft lösen und dadurch sauer sind. Beim Träufeln kommt deswegen der Zucker ins Spiel. Zucker bindet Wasser; in einer offenen Dose wird er deswegen nach einiger Zeit klumpig. Diese Eigenschaft machen sich Präparate wie Oxuvar oder die Oxalsäure vom Serumwerk Bernburg zunutze: Der Zucker in der fertigen Lösung hält sie länger flüssig und dadurch «aktiv». Der Zucker hat absolut nichts damit zu tun, dass die Bienen die Lösung dann fressen. Oxalsäure wirkt über Kontakt, also von aussen auf die Milben. Falsch ist es auch, dass der Zucker die Lösung klebrig macht und sie deswegen leichter verteilt wird. Das klingt zwar plausibel, hat aber nichts mit der Wirksamkeit der Oxalsäure-Behandlung zu tun.

Das neue Präparat Oxybee ® mit gleicher Zusammensetzung wie Danys Bienenwohl wurde von der Dany Bienenwohl GmbH entwickelt und wird über die französische Firma Véto-pharma vertrieben. Foto: Annely Brandt

Zucker und Säure haben aber ein Problem: Es bildet sich das für Bienen giftige Hydroxymethylfurfural (HMF). Deswegen müssen die fertigen Oxalsäure-Lösungen schnell aufgebraucht werden. Eine Alternative zum Zucker ist das Glycerin, wie es in dem neu erhältlichen Produkt Oxybee ® verwendet wird. Wird Glycerin statt Zucker verwendet, bildet sich auch nach langer Zeit kein HMF, weshalb Sie dieses Produkt über längere Zeit lagern können. Bei gebrauchsfertigen Lösungen mit Zucker, wie beim VarroMed, besteht hingegen die Gefahr der HMF-Bildung. Im Gegensatz zum Winterfutter sind die Bienen bei der Varroa-Behandlung dem HMF – wenn überhaupt – nur kurz ausgesetzt. Ob das HMF auch unter diesen Bedingungen für die Bienen schädlich ist, wissen wir bisher leider nicht. Egal wie Sie Oxalsäure anwenden: Halten Sie sich unbedingt an die Empfehlungen Ihres Bieneninstituts und an den Beipackzettel. Nur so helfen Sie Ihren Völkern sicher über den Winter.


Quelle: Bienen & Natur / von Dr. Claudia Garrido